Dirigent
Seit fünf Jahren bereichert ein französischer Musiker das kulturelle Leben im Main-Kinzig-Kreis. Die Rede ist von Christophe Szykulla, 1963 in Nordfrankreich, in einem kleinen Dorf bei Lille, geboren, von Beruf Orchestermusiker.
Mit 9 Jahren lernte er auf Wunsch des Vaters und Chemie-Ingenieurs Geige, mit 17 entdeckte er das Blech und erlernte das Tenorhorn, um mit 19 Jahren zu seiner Leidenschaft, der Tuba, seinem späteren beruflichen Handwerkszeug, zu finden. Die Musik ließ ihn nicht mehr los, fesselte seine Sinne genau wie die des Bruders, der als Musiklehrer für Konzertflöte in der Heimat seine Baguettes verdient. Szykulla studierte fortan in Paris unter Daniel Barenboim sowie an der Hochschule der Künste in Berlin und machte den Abschluss als Orchestermusiker im Fach Tuba.
Sein Studium finanzierte er als Orchesterwart (Orchester des Hessischen Rundfunks, Theater des Westens, Berliner Symphoniker, Neue Lausitzer Philharmonie). Nach dem Studium arbeitete er in Deutschland und Frankreich als Violinist, Konzertmeister und Tubist bei den Berliner Philharmonikern, der Deutschen Oper Berlin, dem Orchester des Marinskii-Theaters St. Petersburg (ehm. Kirow Theater), dem Rundfunk-Symphonie-Orchester Berlin, dem Theater des Westens, den Berlinern Symphonikern, der Philharmonie der Nationen und dem Mary-Orchester unter der Leitung von Georg Preusse. Er war Gründungsmitglied und Musikalischer Leiter des Deutsch-Französischen Orchesters Berlin sowie des Philharmonischen Kammerorchesters in Leipzig. 1994 professionalisierte Christophe Szykulla seine Dirigentenbegabung und begann eine Dirigierausbildung bei Prof. Kurt Redel und Prof. Ludovit Rajter. Szykullas musikalische Vita ist aber auch Beleg für das finanziell harte Leben eines Berufsmusikers, das durch immer größere Kürzungen im kulturellen Bereich Berlins höchste Flexibilität abverlangte. Schließlich gelang es dem Salmünsterer Musikdirektor Harald Krebs, Christophe Szykulla eine neue berufliche und private Zukunft im Main-Kinzig-Kreis zu eröffnen und vermittelte Wohnung in Salmünster und Arbeit in heimischen Orchestern. Auch Landesmusikdirektor Carsten Meyer förderte die Integration des Ausnahmekünstlers. Als Spezialist für zeitgenössische Musik und Jazz arbeitet Szykulla mit vielen professionellen Formationen zusammen und gibt als Dozent seine Erfahrung im In- und Ausland an junge Menschen weiter. Mehr als 20 Instrumente, darunter mehrere Blechblasinstrumente, Holzblasinstrumente, Geigen, Gitarren, ein Keyboard und einige Mundharmonikas nennt und spielt er sein eigen. Wenn also ein Mensch sein Hobby zum Beruf gemacht hat, dann der allzeit charmante Franzose. Seine gelebte Musikalität kann jeder Zuhörer beim impulsiven Dirigat des Meisters sofort erkennen. Drei Stammorchester leitet er mittlerweile: den Musiverein Sannerz, die Kolpingkapelle Alzenau und den Musikzug Wächtersbach. Dazu die Jugendorchester des Musikvereins Bad Orb und des Musikzuges Niederissigheim. Aktiv als Tubist und Tenorhornist ist er in diversen heimischen Vereinen.
Eine weitere Leidenschaft ist das Arrangieren und Komponieren. Für Blasorchester hat er mittlerweile 30 Kompositionen fertig gestellt, zuletzt eine Ouvertüre für den Musikverein Neuses und ein Konzertstück für drei Bassklarinetten und Blasorchester. Sein Lieblingskomponist ist übrigens Sergej Prokofiev, auch wenn er betont, dass er stilistisch nicht festgelegt sei – weder beim Hören noch beim Komponieren.
Wenn Christophe Szykulla mal was anderes als Musik im Kopf hat, besucht er seine Freundin. Sie ist „passender weise“ Trompetenmacherin beim Traditionshersteller THEIN in Bremen. Seine rüstigen Eltern kommen regelmäßig zu Besuch nach Salmünster, das diese nicht zuletzt wegen der schönen Therme in Bad Soden lieben gelernt haben. Wer Christophe Szykulla kennen lernen oder besser erleben möchte, engagiert ihn über den Hessischen Musikverband für einen Workshop für tiefes Blech oder geht zu einem Konzert seiner Orchester. Mit den BRASS GUYS, einem Bläserquintett renommierter Solisten, mit dem er im Herbst 2007 in Südafrika gastierte, ergibt sich eine weitere Möglichkeit, seine Fähigkeiten bewundern zu können.
Gefragt nach einen Lebenstraum, sagt er liebenswert, spontan, bescheiden und passendem Dialekt: „isch würde gern mal mit eine Strandsegler stundenlang am Meer fahren“.




